Stell dir vor, du kannst morgen nicht mehr arbeiten. Nicht wegen einer Erkältung, sondern dauerhaft. Bandscheibenvorfall, Burnout, Unfall. Dein Einkommen fällt auf null, aber deine Fixkosten laufen weiter. Genau das passiert in Deutschland rund 200.000 Menschen pro Jahr, und als Selbständiger trifft es dich besonders hart.
Die Berufsunfähigkeitsversicherung (BU-Versicherung) ist die einzige Versicherung, die dein Einkommen absichert, wenn du deinen Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben kannst. Für Selbständige und Gründer ist sie existenziell, denn anders als Angestellte hast du keinen Arbeitgeber, der Lohn weiterzahlt, und die gesetzliche Erwerbsminderungsrente reicht hinten und vorne nicht.
In diesem Guide erkläre ich dir, wie die BU funktioniert, was sie kostet, worauf du bei den Gesundheitsfragen achten musst und warum du sie am besten gestern abgeschlossen hättest.
Was ist eine BU-Versicherung?
Die Berufsunfähigkeitsversicherung zahlt dir eine monatliche Rente, wenn du deinen zuletzt ausgeübten Beruf zu mindestens 50 Prozent nicht mehr ausüben kannst. Das ist der Kern, und er ist entscheidend, weil er sich auf deinen konkreten Beruf bezieht und nicht auf irgendeine Tätigkeit.
Konkret bedeutet das: Du legst bei Vertragsabschluss eine monatliche BU-Rente fest, zum Beispiel 2.000 oder 2.500 Euro. Wird bei dir eine Berufsunfähigkeit festgestellt, zahlt der Versicherer diese Rente bis zum vereinbarten Endalter, idealerweise bis 67. Ein guter Tarif verzichtet dabei auf die sogenannte abstrakte Verweisung. Das heißt, die Versicherung darf dich nicht auf einen anderen Beruf verweisen, nur weil du theoretisch noch etwas anderes machen könntest. Du bist IT-Berater und kannst nicht mehr am Schreibtisch arbeiten? Dann greift die BU, auch wenn du rein theoretisch noch als Pförtner arbeiten könntest.
Einfaches Beispiel
Du bist IT-Freelancer, 35 Jahre alt, und sicherst 2.500 Euro BU-Rente ab. Mit 42 bekommst du chronische Rückenschmerzen und kannst nicht mehr länger als zwei Stunden am Schreibtisch sitzen. Du bist berufsunfähig. Die Versicherung zahlt dir ab sofort 2.500 Euro pro Monat bis du 67 bist. Das sind über 25 Jahre und insgesamt 750.000 Euro. Ohne BU: null.
Warum ist die BU-Versicherung so wichtig?
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Laut Statistiken des GDV (Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft) wird jeder Vierte im Laufe seines Berufslebens berufsunfähig. Das Durchschnittsalter bei Eintritt der Berufsunfähigkeit liegt bei 47 Jahren, also mitten im Berufsleben, wenn Verantwortung und finanzielle Verpflichtungen am höchsten sind.
Die häufigsten Ursachen für Berufsunfähigkeit sind psychische Erkrankungen mit rund 32 Prozent, gefolgt von Erkrankungen des Bewegungsapparats mit etwa 20 Prozent und Krebserkrankungen mit 17 Prozent. Unfälle machen nur rund 8 Prozent aus. Das bedeutet: Die meisten Berufsunfähigkeiten entstehen durch Krankheiten, nicht durch Unfälle. Eine reine Unfallversicherung greift in über 90 Prozent der Fälle nicht.
Die durchschnittliche gesetzliche Erwerbsminderungsrente liegt laut Deutscher Rentenversicherung bei rund 938 Euro im Monat (Stand 2024). Davon kann niemand leben, erst recht nicht in einer Großstadt und erst recht nicht, wenn du Kreditraten oder Unterhaltspflichten hast.
Für Selbständige noch kritischer
Als Angestellter hast du zumindest sechs Wochen Lohnfortzahlung und danach Krankengeld von der Krankenkasse. Als Selbständiger hast du nichts davon, es sei denn, du hast ein privates Absicherungskonzept aufgebaut. Kein Arbeitgeber zahlt deinen Lohn weiter, Krankentagegeld endet nach 78 Wochen falls du es überhaupt abgeschlossen hast, und die Erwerbsminderungsrente greift nur, wenn du in keinem Beruf mehr arbeiten kannst. Deine laufenden Fixkosten wie Miete, Versicherungen und Kreditraten laufen aber ungebremst weiter. Ohne BU-Versicherung stehst du nach wenigen Monaten vor dem finanziellen Ruin. Die Absicherung deiner Arbeitskraft sollte deshalb ganz oben auf deiner Prioritätenliste stehen.
Was kostet eine BU-Versicherung?
Die Kosten einer BU-Versicherung hängen von fünf zentralen Faktoren ab, wobei der Beruf den mit Abstand größten Einfluss hat.
Der Beruf als wichtigster Preisfaktor
Versicherer teilen Berufe in Risikogruppen ein. Je körperlicher die Tätigkeit, desto höher das Risiko und damit die Prämie. Die folgende Tabelle zeigt dir realistische Größenordnungen für eine BU-Rente von 2.000 Euro:
| Risikogruppe | Beispielberufe | Monatliche Prämie (2.000 EUR BU-Rente) |
|---|---|---|
| Niedrig (Büro) | IT-Berater, Unternehmensberater, Kaufmann | 50–80 EUR |
| Mittel | Designer, Therapeut, Lehrer | 70–120 EUR |
| Hoch | Handwerker, Koch, Pflegekraft | 120–200 EUR |
| Sehr hoch | Dachdecker, Gerüstbauer, Berufskraftfahrer | 180–350 EUR |
Gründer und IT-Freelancer zahlen typischerweise 50 bis 80 Euro im Monat für 2.000 Euro BU-Rente. Das klingt nach viel, relativiert sich aber schnell, wenn du dir vorstellst, dass die BU im Ernstfall über 25 Jahre hinweg 600.000 Euro oder mehr auszahlt.
Eintrittsalter, Rentenhöhe und Laufzeit
Je jünger du bist, desto günstiger ist die BU. Ein 30-Jähriger zahlt für dieselbe Leistung rund 30 bis 40 Prozent weniger als ein 40-Jähriger. Jedes Jahr, das du wartest, kostet dich also bares Geld. Die Rentenhöhe sollte bei etwa 70 bis 80 Prozent deines Nettoeinkommens liegen. Als Selbständiger empfehle ich mindestens 60 Prozent deines Gewinns, plus die Kosten für die Krankenversicherung, die du auch bei Berufsunfähigkeit weiterzahlen musst. Bei der Laufzeit rate ich immer zum Endalter 67. Kürzere Laufzeiten sind zwar günstiger, lassen dich aber mit einer potenziell jahrelangen Lücke bis zum Renteneintritt stehen.
Gesundheitszustand
Vorerkrankungen können zu Zuschlägen, Ausschlüssen oder sogar zur Ablehnung des Antrags führen. Das ist einer der wichtigsten Gründe, warum ich dir rate, die BU so früh wie möglich abzuschließen. Mit 25 hast du in der Regel eine saubere Krankenakte. Mit 40 sieht das oft ganz anders aus.
Gesundheitsfragen: Die größte Hürde beim BU-Antrag
Die Gesundheitsfragen im BU-Antrag sind der Punkt, an dem viele Anträge scheitern oder falsch beantwortet werden. Beides ist problematisch, und beides lässt sich vermeiden, wenn du es richtig angehst.
Typischerweise fragen die Versicherer nach ambulanten Untersuchungen und Behandlungen der letzten fünf Jahre, nach stationären Krankenhausaufenthalten und Operationen der letzten zehn Jahre, nach Psychotherapie oder psychiatrischer Behandlung der letzten drei bis fünf Jahre sowie nach aktuell bestehenden Beschwerden, Medikamenteneinnahme und einem eventuell vorhandenen Grad der Behinderung. Die Zeiträume variieren je nach Versicherer, aber dieses Schema findest du bei den meisten Anbietern.
Für die korrekte Beantwortung gibt es aus meiner Erfahrung als Makler vier goldene Regeln. Erstens: Antworte immer vollständig und wahrheitsgemäß. Falsche oder unvollständige Angaben können dazu führen, dass die Versicherung im Leistungsfall den Vertrag anficht, auch Jahre nach Abschluss. Gemäß § 19 VVG (Versicherungsvertragsgesetz) bist du zur wahrheitsgemäßen Anzeige aller gefahrerheblichen Umstände verpflichtet. Das Risiko einer falschen Angabe ist es niemals wert.
Zweitens: Hole dir vor dem Ausfüllen deine Patientenakte ein. Ärzte dokumentieren mehr, als du denkst, und du möchtest sicherstellen, dass deine Angaben mit der ärztlichen Dokumentation übereinstimmen. Drittens: Diagnostiziere dich nicht selbst. Gib an, was der Arzt festgestellt hat, nicht was du vermutest. „Rückenschmerzen“ ist nicht dasselbe wie „Bandscheibenvorfall“, und der Unterschied kann bei der Risikoprüfung entscheidend sein.
Viertens, und das ist mein wichtigster Tipp: Nutze die anonyme Voranfrage. Ich stelle für dich anonyme Risikovoranfragen bei mehreren Versicherern gleichzeitig. So erfährst du vorab, ob und zu welchen Bedingungen du versichert wirst, ohne dass eine Ablehnung in deiner Akte landet. Das ist der professionelle Weg und schützt dich vor bösen Überraschungen.
Nachversicherungsgarantie: Warum sie für Gründer Gold wert ist
Die Nachversicherungsgarantie ist ein Baustein, der in keinem guten BU-Vertrag fehlen darf. Sie erlaubt dir, deine BU-Rente zu bestimmten Anlässen zu erhöhen, ohne dass eine erneute Gesundheitsprüfung nötig wird. Das ist besonders für Gründer und junge Selbständige wichtig, weil das Einkommen in den ersten Jahren oft noch niedrig ist und später deutlich steigt.
Typische Anlässe für eine Nachversicherung sind eine deutliche Einkommenssteigerung, Heirat oder eingetragene Lebenspartnerschaft, die Geburt eines Kindes, der Erwerb von Wohneigentum oder die Aufnahme einer selbständigen Tätigkeit. Das bedeutet: Du schließt die BU heute zu günstigen Konditionen ab und passt die Rentenhöhe später an dein gestiegenes Einkommen an. Gesundheitsprobleme, die in der Zwischenzeit aufgetreten sind, spielen bei der Erhöhung keine Rolle.
Ein konkretes Beispiel: Du startest als Gründer mit 1.500 Euro BU-Rente, weil dein Einkommen anfangs niedrig ist. Drei Jahre später machst du 80.000 Euro Gewinn. Dank der Nachversicherungsgarantie erhöhst du die BU-Rente auf 3.000 Euro, ganz ohne erneute Gesundheitsfragen. Die Rückenbeschwerden, die du inzwischen hast, stehen der Erhöhung nicht im Weg.
Worauf du beim BU-Vergleich achten musst
Nicht jede BU-Versicherung ist gleich gut, und die Unterschiede zwischen den Tarifen können im Leistungsfall über Zehntausende Euro entscheiden. Hier sind die sechs wichtigsten Qualitätsmerkmale, die ich bei jeder Tarifanalyse prüfe.
Der Verzicht auf die abstrakte Verweisung ist der wichtigste Punkt überhaupt. Er stellt sicher, dass die Versicherung dich nicht auf einen anderen, vermeintlich zumutbaren Beruf verweisen darf. Ohne diesen Verzicht könnte der Versicherer bei einem berufsunfähigen IT-Berater argumentieren, dass er ja noch als Telefonist arbeiten könnte, und die Leistung ablehnen.
Der Prognosezeitraum bestimmt, ab wann du als berufsunfähig giltst. Gute Tarife setzen diesen Zeitraum bei sechs Monaten voraussichtlicher Berufsunfähigkeit an. Schlechte Tarife fordern erst drei Jahre, was bedeutet, dass du im schlimmsten Fall drei Jahre lang auf die Leistung wartest. Die rückwirkende Leistung ist ebenfalls entscheidend: Gute Tarife zahlen ab dem tatsächlichen Zeitpunkt des Eintritts der Berufsunfähigkeit, auch wenn du den Leistungsantrag erst Monate später stellst.
Die bereits besprochene Nachversicherungsgarantie gehört in jeden BU-Vertrag, ebenso wie eine Leistung bei Arbeitsunfähigkeit. Einige Tarife zahlen bereits bei längerer Arbeitsunfähigkeit, beispielsweise nach sechs Monaten AU, eine Überbrückungsleistung, auch wenn die Berufsunfähigkeit noch nicht formal festgestellt ist. Und schließlich die Dynamik: Die BU-Rente sollte jährlich um einen vereinbarten Prozentsatz steigen, zum Beispiel drei Prozent, um die Inflation auszugleichen. Sonst ist deine Rente in 20 Jahren real nur noch die Hälfte wert.
BU-Alternativen: Wenn die klassische BU nicht möglich ist
Nicht jeder bekommt eine BU-Versicherung. Sei es wegen Vorerkrankungen oder weil die Prämie im Hochrisikoberuf zu hoch ist. In solchen Fällen gibt es alternative Formen der Arbeitskraftabsicherung, die zwar nicht so umfassend schützen, aber deutlich besser als gar kein Schutz sind.
Die Grundfähigkeitsversicherung zahlt, wenn du bestimmte Grundfähigkeiten wie Sehen, Hören, Gehen, Heben oder Autofahren verlierst. Sie ist günstiger als die BU, hat aber eine engere Leistungsdefinition, weil sie nicht auf den konkreten Beruf abstellt, sondern auf körperliche Fähigkeiten. Die Dread-Disease-Versicherung verfolgt einen anderen Ansatz: Sie zahlt eine einmalige Kapitalsumme bei Diagnose bestimmter schwerer Krankheiten wie Krebs, Herzinfarkt, Schlaganfall oder Multipler Sklerose. Es gibt keine monatliche Rente, sondern eine Einmalzahlung, die du frei verwenden kannst.
Die Erwerbsunfähigkeitsversicherung zahlt nur, wenn du in keinem Beruf mehr arbeiten kannst. Das ist eine deutlich strengere Voraussetzung als bei der BU und der Schutz greift nur in extremen Fällen, ist dafür aber erheblich günstiger. Die Multi-Risk-Versicherung kombiniert Elemente aus BU, Grundfähigkeit und Dread Disease und ist oft ein guter Kompromiss, wenn die reine BU nicht möglich ist. Als Einkommensabsicherung für Selbständige empfehle ich immer zuerst die klassische BU und erst dann, wenn diese nicht zugänglich ist, eine der Alternativen.
So findest du die richtige BU-Versicherung
Der Weg zur richtigen BU-Versicherung folgt einem klaren Ablauf, den ich mit jedem meiner Kunden durchgehe. Am Anfang steht die Bedarfsermittlung: Wie viel BU-Rente brauchst du tatsächlich? Die Faustregel liegt bei 70 bis 80 Prozent deines Nettoeinkommens. Als Selbständiger empfehle ich mindestens 60 Prozent deines Gewinns, plus die Kosten für die Krankenversicherung, die du auch bei Berufsunfähigkeit weiterzahlen musst.
Im zweiten Schritt erstelle ich für dich anonyme Risikovoranfragen bei fünf bis zehn Versicherern. Damit erfährst du, wer dich zu welchen Bedingungen nimmt, ohne das Risiko einer Ablehnung in deiner Akte. Das ist der Schritt, den viele Selbständige überspringen und dann bei einem formellen Antrag eine Ablehnung kassieren, die bei zukünftigen Anträgen immer wieder auftaucht.
Im dritten Schritt vergleichen wir gemeinsam die Angebote. Dabei schaue ich nicht nur auf den Preis, sondern vor allem auf die Bedingungen: Verweisungsverzicht, Nachversicherungsgarantie, Prognosezeitraum, Dynamik und Leistung bei Arbeitsunfähigkeit. Der günstigste Tarif ist selten der beste.
Und schließlich begleite ich dich durch den Abschluss. Bei der BU ist professionelle Begleitung kein Luxus, sondern Notwendigkeit. Die Gesundheitsfragen korrekt zu beantworten und den richtigen Tarif zu finden, erfordert Erfahrung, und Fehler bei den Gesundheitsfragen können dich im Leistungsfall die gesamte Leistung kosten.
Fazit: Die BU ist nicht optional
Die BU-Versicherung ist die Versicherung, die im Ernstfall deine Existenz rettet. Kein anderes Produkt schützt dein Einkommen so umfassend, wenn du aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr arbeiten kannst. Gerade als Selbständiger ohne Arbeitgebernetz ist sie die wichtigste Absicherung überhaupt.
Je früher du abschließt, desto günstiger ist die Prämie und desto weniger Vorerkrankungen stehen im Weg. Warte nicht auf den perfekten Moment, den gibt es nicht. Und wenn du unsicher bist, ob du aufgrund deiner Gesundheitshistorie überhaupt eine BU bekommst: Genau dafür gibt es die anonyme Voranfrage, die ich kostenlos für dich durchführe.
Du möchtest wissen, ob und zu welchen Bedingungen du eine BU bekommst? In einem kurzen Erstgespräch klären wir deinen Bedarf, deine Gesundheitssituation und die besten Optionen für dich.
Häufige Fragen
Absolut. Keine Lohnfortzahlung, kein Krankengeld — ohne BU stehst du im Ernstfall mit null Einkommen da.
Für Büroberufe ca. 50-80 EUR/Monat bei 2.000 EUR BU-Rente. Handwerker: 120-200 EUR/Monat.
Ja, aber teurer. Trotzdem: Lieber spät als nie.
Die BU versichert den Beruf bei Abschluss. Berufswechsel ändert den Schutz nicht.
Ja, psychische Erkrankungen sind mit 32% die häufigste BU-Ursache.
Bis zum vereinbarten Endalter (idealerweise 67).
Ja, wegen Vorerkrankungen. Deshalb: anonyme Voranfragen bei mehreren Versicherern.
BU zahlt bei Unfähigkeit im eigenen Beruf. Erwerbsminderungsrente erst wenn gar nichts mehr geht.
Für Selbständige ja, als Vorsorgeaufwendung.
Erlaubt Erhöhung der BU-Rente ohne erneute Gesundheitsprüfung bei bestimmten Anlässen.