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Was kostet eine Berufsunfähigkeitsversicherung für Selbstständige 2026?

Was eine Berufsunfähigkeitsversicherung für Selbstständige wirklich kostet: die vier Faktoren, warum Freelancer oft mehr zahlen, und wann sie sich lohnt.

SS
Sebastian Steinhuber Versicherungsmakler für Gründer
13.09.2026

Eine pauschale Zahl gibt es nicht, so ehrlich fängt die Antwort an. Der Beitrag einer Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) hängt von vier Faktoren ab, die bei jedem Antragsteller anders ausfallen. Was wir dir hier zeigen können, sind die Stellschrauben, an denen der Beitrag wirklich hängt, und warum Selbstständige und Freelancer dabei oft in einer schwierigeren Ausgangslage stecken als Angestellte.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Der BU-Beitrag richtet sich nach vier Faktoren: Eintrittsalter, Gesundheitszustand, Beruf und Tätigkeit sowie die Höhe der gewünschten BU-Rente. Eine seriöse Zahl gibt es erst nach individueller Tarifierung.
  • Selbstständige zahlen häufig, aber nicht immer, mehr als Angestellte in vergleichbarem Alter, weil ihr berufliches Risiko oft schwerer einzuschätzen ist und ihr Einkommen unregelmäßiger verläuft. Reine Büroberufe sind davon oft ausgenommen.
  • Zur Einordnung: Laut GDV haben neu Versicherte ihre BU 2024 im Schnitt mit knapp unter 29 Jahren abgeschlossen, bei einer versicherten Gesamtrente von 14.600 Euro im Jahr. Die Angabe zum Abschlussalter beruht laut GDV auf einer Umfrage unter Mitgliedsunternehmen mit 44 Prozent Marktabdeckung, ist also kein Gesamtmarktwert. Der Schnitt ist stark geprägt von Auszubildenden und jungen Angestellten und taugt für eine Selbstständige kaum als Maßstab: Das sind rund 1.217 Euro im Monat, wovon bei dir noch Kranken- und Pflegeversicherung abgehen.
  • Wichtiger als ein niedriger Beitrag sind wahrheitsgemäße Gesundheitsfragen, sonst droht im Leistungsfall die Ablehnung wegen einer Anzeigepflichtverletzung.
  • BU-Schutz gilt grundsätzlich auch im Ausland, aber die genauen Bedingungen unterscheiden sich je nach Tarif.

Die vier Faktoren, die den Beitrag wirklich bestimmen

Vorab, weil es die Grundlage für alles Weitere ist: Berufsunfähig bist du im Sinne der meisten Bedingungen dann, wenn du deinen zuletzt ausgeübten Beruf zu mindestens 50 Prozent nicht mehr ausüben kannst und dieser Zustand voraussichtlich mindestens sechs Monate anhält. Du musst also nicht vollständig arbeitsunfähig sein, die Hälfte genügt. Diese beiden Größen, 50 Prozent und sechs Monate, sind marktüblich, stehen aber trotzdem in jedem Bedingungswerk einzeln drin und gehören beim Vergleich geprüft.

Wenn ein Versicherer deinen BU-Beitrag berechnet, spielen im Kern vier Größen zusammen:

Eintrittsalter. Je jünger du beim Abschluss bist, desto länger kalkuliert der Versicherer mit dir als Beitragszahler, bevor ein Leistungsfall überhaupt statistisch wahrscheinlich wird. Das senkt den Beitrag gegenüber einem späteren Einstieg spürbar.

Gesundheitszustand. Die Gesundheitsfragen im Antrag entscheiden darüber, in welche Risikoklasse du eingestuft wirst. Vorerkrankungen können zu einem Beitragszuschlag, einem Leistungsausschluss für ein bestimmtes Risiko oder im ungünstigsten Fall zur Ablehnung führen. Eine eigene Einschätzung, wie eine konkrete Diagnose bewertet wird, können wir an dieser Stelle nicht liefern. Das hängt vom Einzelfall und der Annahmerichtlinie des jeweiligen Versicherers ab.

Beruf und Tätigkeit. Ein Versicherer fragt nicht nur, was auf deiner Visitenkarte steht, sondern wie du tatsächlich arbeitest: überwiegend am Schreibtisch, körperlich, mit Publikumsverkehr, im Homeoffice oder auf Baustellen. Je nach Einschätzung des Berufsrisikos kann der Beitrag für augenscheinlich ähnliche Tätigkeiten deutlich auseinanderfallen.

Höhe der BU-Rente. Die monatliche Rente, die im Leistungsfall ausgezahlt werden soll, bestimmst du selbst mit deinem Antrag, und sie wirkt sich im Wesentlichen proportional auf den Beitrag aus. Wie hoch die BU-Rente sein sollte, hängt von deinem tatsächlichen Lebensunterhalt ab, nicht von einer Faustregel.

Weil diese vier Faktoren bei jedem Antragsteller anders zusammenkommen, können wir dir an dieser Stelle keine seriöse Euro-Zahl nennen. Was eine BU-Versicherung leistet und wie sie grundsätzlich funktioniert, erklären wir ausführlicher in einem eigenen Artikel zu den Grundlagen der BU-Versicherung.

Warum Selbstständige und Freelancer oft einen höheren Beitrag zahlen als Angestellte

Der Versicherer schätzt bei jedem Antrag das berufliche Risiko ein, und bei vielen selbstständigen Tätigkeiten fällt diese Einschätzung ungünstiger aus als bei einer vergleichbaren Anstellung. Das gilt aber nicht ausnahmslos: Ein selbstständiger Softwareentwickler etwa wird bei vielen Versicherern in dieselbe oder eine bessere Berufsgruppe eingestuft als ein Angestellter mit Außendienstanteil. Bei körperlich oder psychisch stärker belasteten Tätigkeiten hat die ungünstigere Einschätzung mehrere Gründe: unregelmäßige Arbeitszeiten, Termindruck ohne Vertretung oder körperliche Alleinarbeit. Bei anderen ist schwerer nachweisbar, wann genau eine Berufsunfähigkeit im Sinne der Bedingungen vorliegt, weil das Tätigkeitsbild nicht so klar umrissen ist wie bei einem angestellten Beruf mit fester Stellenbeschreibung.

Dazu kommt: Ein unregelmäßiges oder schwankendes Einkommen erschwert die Einschätzung, welche BU-Rente überhaupt angemessen ist. Wer seinen Lebensunterhalt nicht über ein festes Monatsgehalt bestreitet, muss die passende Rentenhöhe selbst herleiten, aus dem Durchschnitt mehrerer Jahre und den laufenden Fixkosten, nicht aus einer Gehaltsabrechnung.

Worauf du beim Abschluss achten musst, damit der günstige Beitrag nicht zur Ablehnung im Leistungsfall wird

Der wichtigste Punkt beim Abschluss einer BU-Versicherung ist nicht der Beitrag, sondern die wahrheitsgemäße Beantwortung der Gesundheitsfragen. Wer beim Antrag eine Vorerkrankung verschweigt, weil sie ihm unwichtig erscheint oder weil er einen günstigeren Beitrag erwartet, riskiert, dass der Versicherer sich Jahre später im Leistungsfall auf eine vorvertragliche Anzeigepflichtverletzung beruft und die Leistung verweigert. Entscheidend ist dabei nicht, auf welchem Blatt die Frage steht, sondern dass der Versicherer sie in Textform stellt. Das gilt für den Antrag genauso wie für Rückfragen der Risikoprüfung, die dich per Brief oder Mail erreichen, bevor der Vertrag angenommen ist. Solche Nachfragen beantwortest du mit derselben Sorgfalt wie den Antrag selbst. Welche Fragen konkret gestellt werden und in welchem Zeitfenster sie zurückliegende Diagnosen erfassen, erklären wir im vertiefenden Artikel zu den Gesundheitsfragen bei der BU.

Neben ehrlichen Angaben zählen zwei weitere Punkte: eine BU-Rente, die tatsächlich zu deinem Einkommen passt, statt pauschal nach unten gerundet zu werden, und eine Nachversicherungsgarantie, mit der du die Rentenhöhe später ohne erneute Gesundheitsprüfung anpassen kannst. Das ist an bestimmte Anlässe und Fristen gebunden, welche das konkret sind, unterscheidet sich stark von Tarif zu Tarif. Wenn eine BU wegen einer Vorerkrankung zu teuer oder gar nicht abschließbar ist, lohnt sich der Blick auf Alternativen zur Einkommensabsicherung, die wir in einem eigenen Überblicksartikel zur Einkommensabsicherung für Selbstständige zusammengefasst haben. Wie du losgelöst vom reinen Beitragsvergleich den passenden Tarif findest, ohne in typische Fallstricke zu laufen, steht im Artikel den besten BU-Tarif finden.

Wann sich eine BU trotz höherem Beitrag für Selbstständige lohnt

Angestellte wie Selbstständige können im Ernstfall eine gesetzliche Erwerbsminderungsrente bekommen. Nur setzt die an einer ganz anderen Stelle an als eine Berufsunfähigkeitsversicherung: Sie fragt nicht, ob du deinen Beruf noch ausüben kannst, sondern ob du auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt überhaupt noch arbeiten kannst, ganz gleich in welchem Job. Wer seinen erlernten Beruf nicht mehr ausüben kann, aber noch sechs Stunden am Tag irgendetwas anderes schafft, bekommt keine Rente. Eine eigene Rente wegen Berufsunfähigkeit gibt es in der gesetzlichen Rentenversicherung nur noch für Versicherte, die vor dem 2. Januar 1961 geboren sind.

Dazu kommt eine Hürde, die gerade Selbstständige trifft: Der Anspruch setzt voraus, dass in den letzten fünf Jahren vor Eintritt der Erwerbsminderung drei Jahre lang Pflichtbeiträge gezahlt wurden, und dass die allgemeine Wartezeit von fünf Jahren erfüllt ist. Wer sich als Selbstständige nicht freiwillig oder pflichtversichert hat, fällt oft schon an dieser Voraussetzung heraus, ganz gleich wie gesund oder krank er ist.

Was die gesetzliche Erwerbsminderungsrente in der Praxis tatsächlich zahlt und wo ihre Grenzen liegen, haben wir in einem eigenen Vergleich zu Erwerbsminderungsrente und Berufsunfähigkeitsversicherung gegenübergestellt.

Ohne private BU-Absicherung trägst du als Selbstständiger das Risiko eines Berufsunfähigkeitsfalls damit weitgehend allein, während gleichzeitig laufende Fixkosten wie Miete, Kredite oder eine eigene Krankenversicherung nicht automatisch pausieren. Genau dieser Kombination aus fehlendem Auffangnetz und weiterlaufenden Kosten begegnet die BU-Versicherung. Ob sich der Beitrag für dich konkret lohnt, hängt davon ab, wie hoch dein finanzielles Risiko ohne Absicherung tatsächlich wäre. Das lässt sich seriös nur im persönlichen Gespräch klären.

Gilt eine BU-Versicherung auch im Ausland, wenn du als digitaler Nomade arbeitest?

Kurz und direkt beantwortet: Ja, der Versicherungsschutz einer BU ist grundsätzlich nicht an einen Wohnsitz oder Aufenthalt in Deutschland gebunden, sondern gilt in der Regel weltweit weiter, auch wenn du dich als Freelancer oder digitaler Nomade längere Zeit im Ausland aufhältst. Was im Detail gilt, ob es Meldepflichten bei einem dauerhaften Wohnsitzwechsel gibt und ob bestimmte Länder oder Risikogebiete Einschränkungen mit sich bringen, ist aber keine pauschale Aussage, sondern steht im Bedingungswerk des jeweiligen Tarifs und kann sich von Versicherer zu Versicherer unterscheiden.

Ein Punkt, der in dieser Frage regelmäßig untergeht: Der Schutz gilt weltweit, die Prüfung des Leistungsfalls findet aber nach deutschen Maßstäben statt. Viele Bedingungswerke geben dem Versicherer das Recht, eine ärztliche Untersuchung in Deutschland zu verlangen, wenn du dich im Ausland aufhältst. Wer die Reise- und Untersuchungskosten dafür trägt, ist von Tarif zu Tarif verschieden, manche Häuser übernehmen sie vollständig, andere schweigen dazu. Und Atteste ausländischer Ärzte werden nicht automatisch anerkannt: Ist der Arzt nicht in Deutschland zugelassen, musst du in der Regel nachweisen, dass er dieselben Kriterien angelegt hat. Wenn du planst, längere Zeit oder dauerhaft im Ausland zu arbeiten, ist das der Punkt, den wir uns bei deinem Tarif zuerst ansehen.

Genau diese Details, inklusive der Frage, was bei einem dauerhaften Umzug ins Ausland mit deinem bestehenden Vertrag passiert, haben wir in einem eigenen Artikel zu BU-Versicherung im Ausland ausführlich aufgearbeitet.

Quellen

Häufige Fragen

Der Beitrag hängt von Eintrittsalter, Gesundheitszustand, Beruf und der gewünschten BU-Rente ab. Eine pauschale Zahl gibt es nicht. Wie stark diese vier Faktoren den Beitrag im Einzelfall bewegen, lässt sich nur über eine individuelle Tarifierung seriös beantworten, nicht über eine allgemeine Preisangabe.

Für die meisten ja, und aus einem anderen Grund als oft angenommen. Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente ersetzt keine Berufsunfähigkeitsversicherung: Sie fragt nicht nach deinem Beruf, sondern danach, ob du auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt überhaupt noch arbeiten kannst. Dazu kommt, dass viele Selbstständige die Beitragsvoraussetzungen gar nicht erfüllen. Ohne private Absicherung fällt das Einkommen also weg, während Miete, Kredite und Krankenversicherung weiterlaufen. Ob und in welcher Höhe sich das für dich rechnet, klären wir im Gespräch.

Weil der Versicherer das berufliche Risiko einschätzt und viele selbstständige Tätigkeiten körperlich oder psychisch stärker belastet sind oder schwerer nachweisbar bei Berufsunfähigkeit eingestuft werden können. Auch unregelmäßiges Einkommen kann die Einschätzung der sinnvollen BU-Rentenhöhe erschweren.

Am wichtigsten sind wahrheitsgemäße Angaben bei den Gesundheitsfragen, weil ein späterer Leistungsfall sonst wegen vorvertraglicher Anzeigepflichtverletzung abgelehnt werden kann. Daneben zählt eine an das tatsächliche Einkommen angepasste BU-Rente und eine Nachversicherungsgarantie für spätere Anpassungen.

Ja, unter anderem Grundfähigkeits-, Erwerbsunfähigkeits- und Dread-Disease-Versicherungen. Verbreitet ist die Annahme, diese Produkte hätten einfachere Gesundheitsfragen, das stimmt so in der Breite nicht: Gefragt wird meist ähnlich ausführlich, unterschiedlich ist vor allem, wie der Beruf bewertet wird und welche Diagnosen als Ausschluss ausreichen. Was in deinem Fall tatsächlich geht, lässt sich vorab klären, ohne dass du einen Antrag stellst: Wir fragen bei mehreren Gesellschaften anonym an, also ohne deinen Namen, und du erfährst die Antworten, ohne dass dabei ein Eintrag zu deiner Person entsteht.

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