Für Selbstständige meist die bessere Wahl. Aber nur mit dem richtigen Tarif.
Als Selbstständiger zahlst du in der GKV den vollen Beitrag bis zur BBG – ohne Arbeitgeber-Zuschuss. Die PKV ist meist günstiger und leistungsstärker. Hier worauf du achten musst.
4 Gründe, warum die PKV für dich oft besser ist
Kein Arbeitgeber-Zuschuss in der GKV
Als Selbstständiger zahlst du in der GKV den vollen Beitrag selbst. Bei voller BBG sind das 2027 rund 980 €/Monat – oft mehr als ein Komfort-PKV-Tarif.
Schnellere Termine, bessere Versorgung
Als Selbstständiger ist Krankheit doppelt teuer: kein Lohn, kein Krankengeld bis Tag 43. PKV liefert schnellere Heilung – und damit schnellere Rückkehr ans Arbeiten.
Steuerlich absetzbar
Beiträge zur Basisabsicherung sind voll absetzbar als Sonderausgaben. Bei 5.000 € Jahresbeitrag und 42 % Grenzsteuer sparst du rund 2.100 € Steuern.
Garantierte Leistungen
PKV-Leistungen sind vertraglich festgeschrieben. Anders als die GKV (Reform 2027 streicht Festzuschüsse beim Zahnersatz) können sie nicht einseitig gekürzt werden.
Krankentagegeld – nicht verhandelbar
Als Selbstständiger hast du keine Lohnfortzahlung. Wirst du krank, fällt dein Einkommen sofort weg. Krankentagegeld ist daher kein Bonus, sondern Pflichtbaustein. In der PKV wählbar:
ab Tag 4
Für kurze AU
Höhere Beiträge
ab Tag 15
Standard-Wahl
Gute Balance
ab Tag 43
Günstigste SB
Eigene Reserve nötig
Höhe frei wählbar bis zum vollen Nettoeinkommen. Mehr zum Krankentagegeld →
Existenzgründer-Tarife
Viele PKV-Versicherer bieten Gründer-Ermäßigungen oder spezielle Einstiegstarife. Reduzierte Beiträge in den ersten 3-5 Jahren, gestaffelt nach Gewinn. Wer 2026 gründet, kann oft schon mit 280-380 €/Monat starten.
Gründer-Ermäßigung
Reduzierter Beitrag in den ersten 24-36 Monaten der Selbstständigkeit. Je nach Versicherer 20-40 % unter Standardtarif.
Beitragsanpassung nach Gewinn
Manche Versicherer staffeln den Beitrag nach tatsächlichem Gewinn der ersten Jahre – passend für unsichere Phase.
Einkommensabhängiges KTG
Krankentagegeld kann in den Anfangsjahren reduziert sein und später ohne Gesundheitsprüfung erhöht werden.
GKV vs. PKV nach Gewinn – konkrete Beiträge
Was zahlst du als Selbstständiger in der GKV vs. PKV? Vier typische Gewinn-Stufen mit Vergleich. Werte 2027 nach Reform-Stand.
Werte sind illustrative Näherungen. GKV freiwillig ohne Wahltarif Krankengeld – mit Wahltarif kommen 30–90 €/Monat dazu. PKV-Komforttarif inkl. Krankentagegeld ab Tag 15. Beiträge zur Pflegeversicherung in beiden Fällen separat.
Was du in der Tabelle siehst: Bei niedrigem Gewinn ist die GKV mit Mindestbeitrag günstiger. Ab ca. 35.000 € Gewinn kippt die Rechnung Richtung PKV. Bei BBG-Bereich (ab 80.000 € Gewinn) ist die PKV deutlich günstiger UND leistungsstärker. Reform-Effekt 2027 verstärkt das, weil der GKV-Höchstbeitrag steigt.
Vier Selbstständige, vier Empfehlungen
Wie sich PKV oder GKV für dich rechnet, hängt von Berufsart, Gewinn, Gesundheit und Familie ab. Vier reale Konstellationen.
Wie du PKV-Beiträge steuerlich nutzt
PKV-Beiträge sind als Sonderausgaben absetzbar – aber differenziert. Was du steuerlich nutzen kannst und wo die Grenzen liegen.
Basis-Absicherung voll absetzbar
Der Anteil der Beiträge, der dem GKV-Leistungsniveau entspricht (typisch 80–90 %), ist unbegrenzt absetzbar. Bei 6.000 € Jahresbeitrag und 42 % Grenzsteuer: ca. 2.100 € Steuerersparnis.
Mehrleistungen begrenzt
Komfort-Bestandteile (Chefarzt, Einzelzimmer, 100 %-Erstattung Zahn) nur im Rahmen des Sonderausgaben-Pauschbetrags absetzbar – bei Selbstständigen 2.800 €/Jahr.
Beitragsentlastungs-Komponente
BEK-Einzahlung in den Pauschbetrag eingeschlossen. Wer den Pauschbetrag noch nicht voll nutzt, kann BEK steuerlich gefördert aufstocken – doppelter Effekt: Beitrag im Alter senken + heute Steuern sparen.
Krankentagegeld nicht absetzbar
KTG-Beiträge sind keine Sonderausgaben und nicht absetzbar. Dafür ist die Auszahlung im Krankheitsfall steuerfrei. Lohnt sich trotzdem als Pflichtbaustein.
Tipp: Bei Selbstständigen mit hohem Grenzsteuersatz (42 % +) lohnt es sich, im Tarif den Premium-Anteil bewusst kleiner zu halten und stattdessen BEK aufzustocken – der Steuer-Hebel ist größer.
Was tun, wenn das Einkommen sinkt
Die PKV-Beitragshöhe ist einkommensunabhängig – bei schlechten Auftragsphasen kann das eng werden. Vier Hebel, mit denen du den Beitrag tempörär senkst, ohne den Versicherer zu wechseln.
Tarifwechsel § 204 VVG
Innerhalb deines Versicherers in einen günstigeren Tarif wechseln. Altersrückstellungen bleiben. Typisch 100–200 €/Monat Ersparnis ohne wesentliche Leistungseinbuße.
Selbstbeteiligung erhöhen
Von 600 € auf 1.500 € SB hochwechseln – spürbare Beitragsentlastung. Voraussetzung: finanzielle Reserve für den Schadenfall.
Krankentagegeld reduzieren
Tagessatz-Höhe zeitweise senken oder Wartezeit verlängern. Später ohne neue Gesundheitsprüfung wieder anpassbar (vertraglich vereinbart).
Notlagentarif (letzter Ausweg)
Bei Beitragsrückständen greift der Notlagentarif: Basisversorgung zum gedeckelten Beitrag (~ 100 €). Rückkehr in regulären Tarif nach Rückzahlung der Rückstände.
Präventiv: Vor dem Wechsel in die PKV planen wir gemeinsam, wie du auch in schlechten Phasen den Beitrag schultern kannst – mit Liquiditätsreserve, BEK-Aufbau und Tarif-Optionen, die zu deiner Lebenslage passen.
Häufige Fragen für Selbstständige
Nein. Selbstständige haben Wahlfreiheit zwischen freiwilliger gesetzlicher Versicherung und PKV. Die JAEG gilt nicht für Selbstständige. Bestimmte Künstler sind über die Künstlersozialkasse pflichtversichert.
Vollen Beitrag selbst (kein Arbeitgeberanteil). 2026: 14,6 % + Zusatzbeitrag (~ 1,7 %) auf das Einkommen bis zur BBG. Mindestbeitrag bei rund 230 €/Monat. Bei voller BBG ab 2027 ca. 980 €/Monat.
Hängt von Alter, Gesundheit und Tarif ab. Einstiegstarife für 30-Jährige: ab 350 €. Komforttarife: 450-650 €. Plus Krankentagegeld 50-150 €. Pflegepflichtversicherung extra (~ 50 €).
Ja, die Basisabsicherung (entspricht GKV-Niveau) ist voll absetzbar als Sonderausgabe. Mehrleistungen (Chefarzt, Komfort) nur im Rahmen des Sonderausgaben-Pauschbetrags von 2.800 € (Selbstständige).
Ja, unverzichtbar. Ohne Lohnfortzahlung fällt dein Einkommen ab Tag 1 weg. Bei längerer Krankheit ohne KTG droht der Existenzverlust. PKV-Tarife enthalten KTG meist als Modul.
PKV-Beitrag ändert sich nicht durch dein Einkommen, sondern durch Alter und Beitragsanpassungen. Bei Auftragsflauten gibt es Möglichkeiten: Tarifwechsel (§204 VVG), Selbstbeteiligung erhöhen, Notlagentarif. Wir klären das präventiv im Check.
Wenn dein neues Brutto-Gehalt unter der JAEG (2027: ca. 84.800 €) liegt und du jünger als 55 bist, wirst du automatisch GKV-pflichtversichert. Du kannst dich beim Arbeitgeber von der Versicherungspflicht befreien lassen und in der PKV bleiben – das gilt 3 Jahre, danach ist eine Rückkehr nicht mehr möglich.
PKV-Versicherte zahlen die private Pflegepflichtversicherung getrennt. Beitrag liegt 2026 bei rund 50 €/Monat für 30-Jährige, mit Alter steigend. Im Notlagentarif gilt ein gedeckelter Pflegebeitrag. Die Pflegeversicherung kann nicht abgewählt werden – sie ist Pflicht.
Der Beitrag läuft weiter – die PKV macht keinen Beitragsstop wie die GKV. Mögliche Hebel: SB anheben, Tarifwechsel, BEK pausieren. Wer Familienplanung im Blick hat, sollte das vor dem Wechsel mit einplanen. Mutterschaftsleistungen und Krankenhausentbindung sind in jedem Komforttarif enthalten.
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