Gilt die IT-Haftpflicht in den USA? Was „weltweit“ in acht Tarifen heißt
IT-Haftpflicht und USA: wie Markel, Hiscox, andsafe, VHV, HDI, ERGO, Zurich und AXA Ansprüche aus den USA regeln, mit Fundstelle. Stand 27.10.2026.
Kurz gesagt: Ob deine IT-Haftpflicht bei Ansprüchen aus den USA leistet, hängt vom Tarif ab, nicht vom Wort „weltweit“. Von den acht Tarifen, die wir ausgewertet haben, versichern Markel, Hiscox, andsafe und Zurich Vermögensschäden auch bei Ansprüchen aus den USA, mit einzelnen Ausschlüssen. AXA versichert Umsatz in den USA und Kanada bis 75.000 € im Jahr. VHV, ERGO und HDI schließen die USA aus oder schränken sie ein.
Wichtig vorab: Wir haben die Bedingungswerke der Versicherer ausgewertet, nicht deinen Versicherungsschein. Verbindlich ist immer, was in deinem Vertrag steht, und manche Leistungen gelten nur, wenn du sie als Baustein vereinbarst. Stand der Auswertung ist der 27. Oktober 2026. Spätere Änderungen der Bedingungen sind hier nicht berücksichtigt.
Das Wichtigste auf einen Blick
- „Weltweit“ im Geltungsbereich heißt nicht, dass Ansprüche aus den USA ohne Einschränkung versichert sind. Fast alle Tarife haben für die USA eigene Regeln.
- Bei Verfahren in den USA rechnen alle acht Tarife die Kosten für Anwälte und Gericht auf die Deckungssumme an. Für den Schadenersatz selbst bleibt dann weniger übrig.
- Eine eigene Selbstbeteiligung für Schäden in den USA und Kanada nennen ERGO mit 5.000 € beim vereinbarten Einschluss und AXA mit 15.000 € je Einzelanspruch.
- Patentansprüche mit Bezug zu den USA schließen Markel, andsafe, ERGO, Zurich, AXA und HDI aus. Hiscox schließt Patentrechtsverletzungen generell aus, und VHV versichert nur Ansprüche, die in Europa geltend gemacht werden.
- Den Vergleich aller Kriterien findest du im IT-Haftpflicht-Vergleich.
Was Geltungsbereich und „Ansprüche aus den USA“ bedeuten
Der Geltungsbereich legt fest, wo ein Schaden passieren oder ein Anspruch erhoben werden darf, damit dein Vertrag greift. Für IT-Dienstleister zählt vor allem, wo ein Kunde oder ein Dritter seine Forderung geltend macht und nach welchem Recht.
Die USA und oft auch Kanada regeln die Versicherer gesondert. Je nach Tarif gibt es dort Ausschlüsse, eine eigene Selbstbeteiligung oder eine Anrechnung der Verfahrenskosten auf die Deckungssumme. Anrechnung heißt: Normalerweise zahlen die meisten Tarife Anwalts- und Gerichtskosten zusätzlich zur Deckungssumme. Bei Verfahren in den USA ziehen sie diese Kosten von der Deckungssumme ab.
So regeln die acht Tarife die USA
Die Fundstellen beziehen sich auf die Werke, die im Abschnitt „Quellen und Stand“ stehen. AVB steht für die Versicherungsbedingungen des jeweiligen Tarifs.
| Tarif | Geltungsbereich | Ansprüche aus den USA | Verfahrenskosten und Deckungssumme |
|---|---|---|---|
| Markel Pro IT | weltweit (AVB S. 23, D) | versichert, Kosten werden auf die Summe angerechnet (AVB S. 23, D; S. 34, H.9) | außerhalb der Summe je Fall, aber in der Jahreshöchstleistung; USA angerechnet (AVB S. 34, H.8, H.9, H.11) |
| Net IT by Hiscox | weltweit, mit Sonderregeln für USA und Kanada (AVB S. 13, VI.1) | versichert, Kosten angerechnet, einzelne Ansprüche ausgeschlossen (AVB S. 15, VII.8.1; S. 9, II.7) | außerhalb der Summe je Fall, aber in der Jahreshöchstleistung; USA und Kanada angerechnet (AVB S. 15, VII.8) |
| andsafe Vermögensschaden-Haftpflicht IT | weltweit, mit Sonderregeln für die USA (AVB S. 42, 9) | versichert, mit besonderen Ausschlüssen, Kosten angerechnet (AVB S. 42, 9; S. 32, 3.2) | angerechnet bei Verfahren in den USA und Kanada und bei Patentansprüchen (AVB S. 42, 10.3; S. 44, 10.7; S. 26, 2.8.6) |
| VHV Firmenprotect IT | nur Ansprüche, die in Europa nach europäischem Recht geltend gemacht werden (AVB S. 60, A6-3.1.5) | nicht versichert, weil nur Ansprüche in Europa gedeckt sind (AVB S. 60, A6-3.1.5) | außerhalb der Summe; USA und Kanada angerechnet (AVB S. 6, A1-5.5) |
| HDI CLIC | weltweit, ohne direkten Export in die USA (Grundbaustein S. 11, 6.8) | nicht bei direktem Export oder Download in die USA, Einschluss auf Anfrage (Grundbaustein S. 11, 6.8; Leistungsübersicht S. 2) | außerhalb der Summe; USA angerechnet (Grundbaustein S. 5, 5.4) |
| ERGO IT-Unternehmen | weltweit ohne USA und Kanada (AVB S. 22, B 6.3) | ausgeschlossen, Einschluss nach Vereinbarung mit 5.000 € Selbstbeteiligung (AVB S. 22, B 6.3.2; S. 9, A 3.3) | außerhalb der Summe; USA und Kanada angerechnet (AVB S. 6, A 3.1; S. 22, B 6.3.4) |
| Zurich IT Safecare 2021 | weltweit, soweit rechtlich zulässig (AVB S. 15, 3. Teil III.3) | versichert, Kosten werden auf die Summe angerechnet; einzelne US-Gesetze, Datenschutzverletzungen sowie Patente, Lizenzen und Geschäftsgeheimnisse mit US-Bezug ausgeschlossen (AVB S. 14, 3. Teil II.5; S. 7, 1. Teil III.8 und III.9) | außerhalb der Summe; USA und Kanada angerechnet (AVB S. 14, 3. Teil II.2, II.4 und II.5) |
| AXA IT-Police Haftpflicht Kompakt | Schäden im Ausland aus Leistungen, Geschäftsreisen und Exporten versichert (AVB S. 20 bis 21, B 1.20.6.1) | Umsatz in USA und Kanada bis 75.000 € im Jahr beitragsfrei, darüber gesonderter Beitrag; Kosten angerechnet, Selbstbeteiligung 15.000 €, US-Patente ausgeschlossen (AVB S. 21, B 1.20.6.1 und 1.20.6.5; S. 24, B 2.1.3; Antrag S. 1) | außerhalb der Summe; USA und Kanada angerechnet (AVB S. 19, B 1.12.6; S. 21, B 1.20.6.5) |
Was die Unterschiede für dich bedeuten
Kunden oder Nutzer in den USA
Hast du Kunden in den USA oder vertreibst du Software, die dort genutzt wird, schau zuerst auf diesen Punkt. Markel, Hiscox, andsafe und Zurich versichern Vermögensschäden auch bei Ansprüchen aus den USA. Für die USA gelten dabei einzelne Ausschlüsse, bei Zurich etwa für Datenschutzverletzungen sowie Patente, Lizenzen und Geschäftsgeheimnisse mit US-Bezug. AXA versichert Umsatz in den USA und Kanada bis 75.000 € im Jahr ohne Mehrbeitrag, darüber gegen einen gesonderten Beitrag. Bei VHV Firmenprotect IT sind nur Ansprüche versichert, die in Europa nach europäischem Recht geltend gemacht werden. ERGO schließt die USA und Kanada aus und bietet einen Einschluss nach besonderer Vereinbarung an. Bei HDI gilt der Download von Software in die USA als direkter Export, der ohne Zusatzvereinbarung nicht versichert ist.
Die Deckungssumme reicht in den USA weniger weit
Weil die Kosten für Verfahren in den USA auf die Deckungssumme angerechnet werden, steht für den eigentlichen Schadenersatz nur der Rest zur Verfügung. Hast du nennenswertes Geschäft in den USA, gehört die Höhe der Deckungssumme deshalb mit auf den Prüfstand. Wie hoch Verfahrenskosten in einem konkreten Fall ausfallen, sagt kein Bedingungswerk.
Kanada und Großbritannien
Kanada behandeln mehrere Tarife wie die USA: Hiscox, andsafe, VHV, ERGO, Zurich und AXA rechnen auch Verfahrenskosten in Kanada auf die Deckungssumme an, ERGO schließt Kanada zusammen mit den USA aus. Großbritannien taucht bei Rechtsverletzungen auf: Zurich schließt Patente und Lizenzen mit Bezug zu den USA, Kanada oder Großbritannien aus, HDI bei Rechtsverletzungen wie Patent-, Urheber-, Marken- und Persönlichkeitsrechten, einschließlich Datenschutz, alle Schäden, die sich in diesen drei Ländern ereignen oder vor dortigen Gerichten verhandelt werden (Grundbaustein S. 12, 6.11.1.3).
Der Sitz deines Kunden ist nicht alles
Dein Auftraggeber kann in Deutschland sitzen und seine Software trotzdem in den USA vertreiben. Bei VHV kommt es ausdrücklich darauf an, wo und nach welchem Recht ein Anspruch geltend gemacht wird (AVB S. 60, A6-3.1.5). Frag dich deshalb nicht nur, wo deine Kunden sitzen, sondern auch, wo deine Arbeit genutzt wird.
Personen- und Sachschäden in den USA
Alles oben betrifft Vermögensschäden. Für Personen- und Sachschäden, etwa durch Hardware oder Lieferungen, gilt die Betriebshaftpflicht mit eigenen Regeln für die USA. Bei Markel erfasst der Betriebshaftpflicht-Baustein die USA nur bei indirektem Export, Reisen und Messen (AVB S. 23, D). Bei VHV sind Lieferungen in die USA und nach Kanada nur nach besonderer Vereinbarung versichert (AVB S. 16, A1-6.24.1). Die Einzelheiten stehen auf den Seiten zu den Tarifen.
Beispielszenario
Der folgende Fall ist ausgedacht, kein Fall aus unserer Beratung. Ob ein konkreter Fall versichert ist, entscheidet der Versicherer nach deinem Vertrag.
Beispielszenario App mit US-Nutzern: Ein Entwickler aus Berlin programmiert für ein deutsches Start-up eine App, die das Start-up auch in den USA vertreibt. Nach einem Fehler in der Abrechnung verlangt ein US-Geschäftskunde des Start-ups Schadenersatz vor einem Gericht in den USA und nimmt auch den Entwickler in Anspruch. Im Vergleich zählen: Ansprüche aus den USA, Verfahrenskosten und Deckungssumme, Geltungsbereich.
So gehst du vor
- Märkte klären: Wo sitzen deine Kunden, und wo wird deine Software oder Website genutzt?
- Kundenverträge lesen: Welches Recht gilt, und wo ist der Gerichtsstand vereinbart?
- Umsatz in den USA und Kanada beziffern: Bei AXA kostet Umsatz dort über 75.000 € im Jahr einen gesonderten Beitrag.
- Deckungssumme prüfen: Reicht sie, wenn Verfahrenskosten in den USA davon abgehen?
- Tarif wählen: Vier der acht Tarife berechnest du in unserem IT-Haftpflicht-Rechner. Hast du US-Kunden und willst die Regeln mit uns durchgehen, buch dir einen Termin.
Was eine IT-Haftpflicht kostet: Laut unserem Rechner beginnt der Jahresbeitrag in unseren drei Beispielprofilen bei 259,27 € (Freelancer, 50.000 € Umsatz) und reicht bis 725,90 € (Softwarehaus, 1 Mio. € Umsatz), jeweils für den günstigsten verfügbaren Tarif. Die Annahmen stehen im IT-Haftpflicht-Vergleich. Deinen eigenen Beitrag für Markel Pro IT, Net IT by Hiscox, andsafe und VHV Firmenprotect IT rechnest du im IT-Haftpflicht-Rechner aus.
Weiterlesen
- IT-Haftpflicht-Vergleich 2026/2027: alle acht Tarife nach 40 Kriterien
- Versicherungsnachweis für Auftraggeber: was dein Kundenvertrag zu USA und Kanada verlangen kann
- Die Tarife im Einzelnen: Markel Pro IT, Net IT by Hiscox, andsafe Vermögensschaden-Haftpflicht IT, VHV Firmenprotect IT, Zurich IT Safecare 2021, AXA IT-Police Haftpflicht Kompakt
Quellen und Stand
- Markel Pro IT: AVB = Versicherungsbedingungen Markel Pro IT, Stand Version 2 (PDF vom 10.09.2025); Antrag = Antrag mit Beitragstableau, Stand Version 2 (Bedingungen als PDF)
- Net IT by Hiscox: AVB = Versicherungsbedingungen Net IT by Hiscox, Stand 10/2025; Antragsmodell = Antragsmodell IT, Stand 10/2025 (Bedingungen als PDF)
- andsafe Vermögensschaden-Haftpflicht IT: AVB = Kundeninformationen und Versicherungsbedingungen Vermögensschaden-Haftpflicht, Stand 06.2026; BHV-Bedingungen = Betriebshaftpflicht, Stand 06.2026 (Bedingungen als PDF)
- VHV Firmenprotect IT: AVB = Allgemeine Versicherungsbedingungen 107.9002.06, Stand 12.2020; Produktübersicht 107.0031.06 (Bedingungen als PDF)
- HDI CLIC: Grundbaustein = FAH1101:01, Stand 06/2018; IT-Plus = FAH1102:01, Stand 06/2018; Allgemeiner Teil = FAH1000:02, Stand 02/2024, und FAL0010:04, Stand 11/2024; Leistungsübersicht 2022
- ERGO IT-Unternehmen: AVB = Bedingungen IT-Unternehmen, Stand 1.9.2022; Leistungspaket IT; Innovationsgarantie 12/2022
- Zurich IT Safecare 2021: AVB = Versicherungsbedingungen IT Safecare 2021, Ausgabe 05.2026 (212833082 2605); Antrag = Antragsmodell 212820814 2605
- AXA IT-Police Haftpflicht Kompakt: AVB = Bedingungen für die IT-Police Haftpflicht, Teil A Stand 08/2024, Teil B Stand 06/2026, Teil C Stand 08/2024, Seitenzählung des Antragspakets; Antrag = Antragspaket 21013154 (09.26)
Stand der Auswertung: 27. Oktober 2026.
Häufige Fragen
Gilt die IT-Haftpflicht auch für Kunden in den USA?
Das hängt vom Tarif ab. Markel Pro IT, Net IT by Hiscox, andsafe und Zurich IT Safecare versichern Vermögensschäden auch bei Ansprüchen aus den USA, mit einzelnen Ausschlüssen für die USA; die Kosten für Verfahren dort zählen zur Deckungssumme. AXA versichert Umsatz in den USA und Kanada bis 75.000 € im Jahr ohne Mehrbeitrag, mit 15.000 € Selbstbeteiligung je Einzelanspruch bei Schäden dort. VHV Firmenprotect IT versichert nur Ansprüche, die in Europa geltend gemacht werden. ERGO schließt die USA und Kanada aus und bietet einen Einschluss nach Vereinbarung an. Bei HDI gilt der Download von Software in die USA als direkter Export.
Was heißt „weltweit“ in der IT-Haftpflicht?
Weltweit beschreibt den Geltungsbereich: wo ein Schaden passieren oder ein Anspruch erhoben werden darf. Für die USA und oft auch Kanada haben fast alle Tarife trotzdem eigene Regeln, etwa Ausschlüsse, eine eigene Selbstbeteiligung oder die Anrechnung der Verfahrenskosten auf die Deckungssumme.
Was bedeutet es, wenn Kosten in den USA auf die Deckungssumme angerechnet werden?
Die Kosten für Anwälte und Gericht werden von der Deckungssumme abgezogen, statt zusätzlich bezahlt zu werden. Für den Schadenersatz selbst bleibt dann nur der Rest. Bei Verfahren in den USA ist das in allen acht Tarifen unseres Vergleichs so.
Welche Selbstbeteiligung gilt bei Schäden in den USA?
Eine eigene Selbstbeteiligung für die USA und Kanada nennen in unserem Vergleich ERGO mit 5.000 € beim vereinbarten Einschluss und AXA mit 15.000 € je Einzelanspruch.

Sebastian Steinhuber
Geschäftsführer ENV Versicherungsmakler, Berlin. Berät Gründer, Selbstständige und Unternehmen zu betrieblichen und privaten Versicherungen. Versicherungsmakler mit Erlaubnis nach § 34d Abs. 1 GewO, Vermittlerregister D-FAMY-XUHNB-60.
Dieser Artikel ist eine allgemeine Information und ersetzt keine Beratung zu deinem Einzelfall.