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BU-Kosten verstehen: Was kostet eine Berufsunfähigkeitsversicherung?

SS
Sebastian Steinhuber Versicherungsmakler für Gründer
04.06.2026

Was kostet eine BU? Die ehrliche Antwort

Die häufigste Frage, die ich zum Thema Berufsunfähigkeitsversicherung bekomme: „Was kostet so eine BU eigentlich?“ Die ehrliche Antwort: Das lässt sich nicht pauschal sagen. Nicht weil ich mich drücken will, sondern weil der Beitrag von fünf Faktoren abhängt, die bei dir ganz anders aussehen als bei deinem Nachbarn.

Was ich dir aber sagen kann: Die Spanne ist groß. Zwischen 30 Euro und 300 Euro pro Monat ist bei einer Berufsunfähigkeitsversicherung alles möglich. In diesem Artikel erkläre ich dir, welche Stellschrauben deinen Beitrag bestimmen, zeige dir realistische Beispielrechnungen und sage dir auch, wo du fair sparen kannst, ohne dir selbst einen Bärendienst zu erweisen.

Wenn du erst einmal verstehen willst, was eine BU überhaupt ist und warum sie für Selbstständige besonders relevant ist, empfehle ich dir zuerst den Einsteiger-Guide zur BU-Versicherung.

Die 5 Faktoren, die deinen BU-Beitrag bestimmen

1. Eintrittsalter: Je früher, desto günstiger

Das Eintrittsalter ist der stärkste Hebel überhaupt. Eine 27-jährige Webentwicklerin zahlt für denselben Schutz deutlich weniger als ein 40-jähriger Berater, der dasselbe Vertragswerk abschließen möchte. Der Grund ist simpel: Je länger der Versicherer kalkulieren muss, desto mehr Zeit bleibt für etwas, das schief gehen kann. Und statistisch steigt das Berufsunfähigkeitsrisiko mit dem Alter.

Wer mit 25 oder 28 abschließt, zahlt diesen günstigeren Beitrag dann für die gesamte Laufzeit, also bis 67. Das macht über die Laufzeit einen erheblichen Unterschied in der Gesamtbelastung.

2. Beruf und Berufsgruppe: Der größte Kostenunterschied

Versicherer unterscheiden zwischen Berufsgruppen nach dem konkreten körperlichen und psychischen Belastungsprofil. Ein Bürokaufmann, der hauptsächlich am Schreibtisch sitzt, wird in eine günstigere Risikogruppe eingestuft als ein Dachdecker, der täglich auf Leitern steht. Dieser Unterschied kann den Beitrag leicht verdoppeln oder sogar verdreifachen.

Für Gründer und Selbstständige ist das besonders relevant: Wer als IT-Freelancer oder Berater tätig ist, profitiert oft von sehr guten Berufsgruppen-Einstufungen. Handwerker, Köche oder körperlich arbeitende Berufe zahlen dagegen spürbar mehr, manchmal ist eine BU sogar schwer zu bekommen.

Wichtig zu wissen: Die Berufsgruppen-Einstufung ist nicht bei allen Versicherern gleich. Es lohnt sich, verschiedene Angebote einzuholen und zu vergleichen, wie du eingestuft wirst. Den Unterschied kannst du im BU-Tarif-Vergleich gut sehen.

3. Höhe der BU-Rente: Was du absichern willst

Die Höhe der monatlichen BU-Rente, also der Betrag, den du im Leistungsfall jeden Monat erhältst, wirkt sich direkt proportional auf den Beitrag aus. Wer 2.500 Euro monatlich absichern will, zahlt ungefähr doppelt so viel wie jemand, der 1.250 Euro vereinbart.

Dabei geht es nicht darum, möglichst viel abzusichern. Es geht darum, deinen tatsächlichen Bedarf realistisch einzuschätzen: Was brauchst du, um deinen Lebensunterhalt zu decken, wenn du nicht mehr arbeiten kannst? Miete, Krankenversicherung, Lebenshaltung. Nicht mehr, nicht weniger. Wer die BU-Rente zu niedrig ansetzt, ist im Ernstfall schlecht geschützt. Wer übertreibt, zahlt dauerhaft zu viel.

Als Faustregel gilt: 60 bis 80 Prozent des Nettoeinkommens sollten abgedeckt sein. Bei Selbstständigen ist die Kalkulation etwas komplexer, weil kein festes Gehalt vorhanden ist. Das schauen wir uns dann im Beratungsgespräch individuell an.

4. Vertragslaufzeit und Endalter: Bis wann läuft der Schutz?

Die meisten Verträge laufen bis zum Rentenalter, also bis 67. Je länger der Versicherungsschutz läuft, desto höher der Beitrag, weil das Risiko über einen längeren Zeitraum abgedeckt wird. Ein Vertrag bis 63 kostet weniger als einer bis 67, schützt dich aber auch vier Jahre kürzer in einem Lebensabschnitt, in dem das BU-Risiko statistisch am höchsten ist.

Ich empfehle in den meisten Fällen, den Schutz bis 67 zu vereinbaren. Was am Ende gespart wird, wenn man auf 65 kürzt, rechtfertigt selten die Versorgungslücke, die dadurch entsteht.

5. Gesundheitszustand: Das Thema, das viele unterschätzen

Beim Abschluss einer BU musst du Gesundheitsfragen beantworten. Wer Vorerkrankungen hat, zum Beispiel einen Rückenvorfall in der Vorgeschichte, Asthma, psychische Behandlungen oder andere chronische Erkrankungen, bekommt oft Aufschläge auf den Standardbeitrag. Manchmal gibt es Ausschlussklauseln für bestimmte Körperteile oder Erkrankungen, manchmal wird der Antrag auch abgelehnt.

Das ist ein häufig unterschätztes Argument für einen frühen Abschluss. Wer mit 26 abschließt, hat in der Regel eine sauberere Gesundheitshistorie als mit 40. Mehr dazu, wie Vorerkrankungen bei der BU bewertet werden, findest du im Beitrag zu BU bei Vorerkrankungen.

Beispielrechnungen: Was zahlen konkrete Profile?

Die folgenden Zahlen sind Beispielrechnungen auf Basis marktüblicher Tarife (Stand 2025). Sie dienen zur Orientierung und stellen keine individuelle Berechnung dar. Dein tatsächlicher Beitrag kann davon abweichen.

Beispiel 1: Junge IT-Freelancerin, Bürotätigkeit

  • Alter bei Abschluss: 28 Jahre
  • Beruf: Softwareentwicklerin (Bürotätigkeit, keine körperliche Belastung)
  • Gewünschte BU-Rente: 2.000 Euro monatlich
  • Laufzeit: bis 67
  • Keine relevanten Vorerkrankungen

Realistischer Richtwert in diesem Beispiel: ca. 60 bis 100 Euro monatlich, je nach Tarif und Versicherer. Bei Tarifen mit besonders starken Bedingungen kann der Beitrag auch am oberen Ende dieser Spanne oder knapp darüber liegen.

Beispiel 2: Handwerksmeister, körperliche Tätigkeit

  • Alter bei Abschluss: 35 Jahre
  • Beruf: Elektriker (körperlich, Arbeit auf Leitern, Höhe)
  • Gewünschte BU-Rente: 1.800 Euro monatlich
  • Laufzeit: bis 65
  • Leichter Bluthochdruck in der Vorgeschichte

Realistischer Richtwert in diesem Beispiel: ca. 180 bis 280 Euro monatlich, je nach Einstufung und Versicherer. In manchen Tarifen gibt es Aufschläge wegen des Bluthochdrucks, in anderen wird er bei niedrigen Werten toleriert.

Der Unterschied zwischen diesen beiden Profilen liegt also bei mehreren hundert Euro pro Jahr. Beides ist nicht billig. Aber das Beispiel zeigt: Für Büroberufe ist die BU deutlich zugänglicher als viele denken.

Beitragsdynamik: Warum dein Beitrag steigen kann

In vielen BU-Verträgen ist eine Beitragsdynamik vereinbart, oft zwischen zwei und fünf Prozent jährlich. Das bedeutet: Beitrag und versicherte Rente steigen jährlich automatisch, um die Inflation auszugleichen. Du zahlst also mit 40 mehr als mit 30, hast dafür aber auch eine höhere Rentenleistung im Ernstfall.

Eine Dynamik ist grundsätzlich sinnvoll, weil 2.000 Euro in zehn Jahren weniger wert sind als heute. Allerdings solltest du dir beim Abschluss überlegen, ob du in der Zukunft auch die höheren Beiträge tragen kannst. Wer die Dynamik zu aggressiv ansetzt, riskiert, später aussteigen zu müssen. Du kannst eine Dynamik in den meisten Tarifen auch nach Abschluss noch anpassen oder aussetzen.

Nachversicherungsgarantie: Besonders relevant für Gründer

Ein Punkt, den viele beim Thema Kosten unterschätzen: die Nachversicherungsgarantie. Viele Top-Tarife erlauben es dir, die versicherte BU-Rente bei bestimmten Lebensereignissen, zum Beispiel Heirat, Geburt eines Kindes oder deutlich gestiegenem Einkommen, ohne erneute Gesundheitsprüfung zu erhöhen. Das ist für Selbstständige und Gründer besonders wertvoll, weil das Einkommen in den ersten Jahren oft noch wächst.

Wenn du heute mit 1.500 Euro einsteigst und in drei Jahren deutlich mehr verdienst, kannst du mit einer Nachversicherungsgarantie aufstocken, ohne wieder durch die Gesundheitsfragen zu müssen. Das sollte bei der Tarifauswahl ein Kriterium sein, auch wenn es sich zunächst nicht direkt im Beitragsvergleich niederschlägt.

Wie du den Beitrag fair senken kannst

Es gibt legitime Wege, den BU-Beitrag zu reduzieren, ohne den Schutz sinnlos auszuhöhlen. Und es gibt Tricks, von denen ich dir abraten würde.

Früh abschließen

Der effektivste Hebel: Je jünger du bist, desto günstiger der Einstiegsbeitrag, der für die gesamte Laufzeit gilt. Wer heute 28 ist und denkt „ich warte noch zwei Jahre“, zahlt in zwei Jahren schon merklich mehr. Das ist keine Verkaufsstrategie, das ist Mathematik.

Richtige Berufsgruppen-Einstufung prüfen

Nicht jeder Versicherer stuft deinen Beruf gleich ein. Wer als Unternehmensberater tätig ist und vorrangig am Rechner arbeitet, gehört in eine günstigere Gruppe als jemand, der im Außendienst viel Auto fährt. Es lohnt sich, die Einstufung beim Antrag genau zu hinterfragen und verschiedene Tarife zu vergleichen.

Sinnvolle Rentenhöhe statt Maximum

Nicht jeder braucht 3.500 Euro BU-Rente. Wer seinen tatsächlichen Bedarf realistisch kalkuliert, zahlt keine unnötigen Beiträge. Das heißt nicht: billig ist gut. Zu wenig abzusichern ist teuer, wenn der Ernstfall eintritt. Aber das Maximum aus dem Katalog zu nehmen, weil man es irgendwie kann, ist auch keine Lösung.

Laufzeit sorgfältig wählen

Eine Laufzeit bis 65 statt 67 spart Beitrag. Der Preis dafür sind zwei Jahre ohne BU-Schutz in einem Lebensabschnitt, in dem das Risiko hoch ist. Ich halte das in den meisten Fällen für keine gute Entscheidung, aber es ist eine, die du bewusst treffen kannst.

Was ich dir nicht empfehle

Gesundheitsfragen falsch oder unvollständig beantworten, um den Beitrag zu drücken: Das ist eine Verletzung der vorvertraglichen Anzeigepflicht (§§ 19 ff. VVG). Im Leistungsfall kann der Versicherer, je nach Verschuldensgrad, vom Vertrag zurücktreten oder ihn anfechten. Du hast dann jahrelang gezahlt und bekommst im schlimmsten Moment nichts. Ob und in welchem Umfang der Versicherer leistungsfrei wird, hängt dabei vom Einzelfall ab. Richtig und vollständig antworten ist nicht verhandelbar.

Ist der BU-Beitrag steuerlich absetzbar?

Ja, die Beiträge zur Berufsunfähigkeitsversicherung können als Sonderausgaben in der Steuererklärung angegeben werden, und zwar als Teil der sonstigen Vorsorgeaufwendungen gemäß § 10 Abs. 1 Nr. 3a EStG. Allerdings gibt es Höchstbeträge: 1.900 Euro für Angestellte, 2.800 Euro für Selbstständige ohne anderweitige Absicherung.

Wichtig dabei: Der BU-Beitrag fließt in denselben Topf wie andere Vorsorgeaufwendungen, zum Beispiel Beiträge zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung. Wer gesetzlich versichert ist, hat diesen Topf in der Praxis oft schon durch GKV-Beiträge ausgeschöpft, sodass der BU-Beitrag steuerlich nicht mehr zusätzlich wirkt. Bei Privatversicherten sieht die Rechnung häufig anders aus, weil die PKV-Beiträge separat über den Basisschutz abgerechnet werden und oft noch Spielraum bleibt.

Für eine konkrete steuerliche Einschätzung brauchst du deinen Steuerberater. Das kann ich nicht leisten und will es auch nicht. Was ich sagen kann: Die Steuerersparnis macht den Beitrag in der Praxis für viele spürbar günstiger als der nominelle Betrag auf dem Zahlungsbeleg.

Was du als nächstes tun kannst

Der BU-Beitrag ist keine Pauschale, die du irgendwo nachschlagen kannst. Er ist das Ergebnis deines konkreten Profils, deines Berufs, deines Alters, deines Gesundheitszustands und des Schutzes, den du brauchst. Ich rechne das mit dir gemeinsam durch, ohne Druck und ohne Hochverkaufen.

Wenn du wissen willst, was eine BU für dich konkret kosten würde und ob die Beiträge für dich realistisch sind: Buche einen kostenlosen BU-Check (20 Minuten per Video). Ich schaue mir deinen Bedarf an, erkläre dir die relevanten Tarife, und du weißt danach, wo du stehst.

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